Sind Versicherungen für Nutzpflanzen in Deutschland sinnvoll?

2013: überflutete Äcker in Niederbayern. 2015: vertrockneter Mais in Franken. Und 2016: weggeschwemmte Felder im Rottal. Extremwettereignisse nehmen zu. Bisher gab es dann oft Nothilfen. Beim Juni-Hochwasser 2013 zum Beispiel. Ilse Aigner, damals Bundeslandwirtschaftsministerin, auf einem zerstörten Gurkenfeld. Seit 2011 hat der Staat rund 100 Mio. Euro an die Bauern ausgezahlt. Doch ab Juli 2019 zahlt Bayern nichts mehr. Landwirt Georg Mayerhofer muss sich deshalb überlegen, ob und wie er das Unwetterrisiko auf seinen Feldern absichert. Denn er braucht die Ernte: Für seine Mastschweine und seine Biogas-Anlage. Der Landwirt hat seine Feldfrüchte nun versichert. Auslöser war ein Unwetter. Ich denke mit Grauen daran: Vor 2 Jahren hatten wir diese Starkniederschläge Mitte Mai, mit 200 l auf zwei Tagen, vor drei Jahren das Juni-Hochwasser. Also die Wettergeschehnisse verändern sich. Er ist schon lange bei der „Vereinigten Hagel“ versichert, aber nun auch gegen Starkregen, Sturm und Frost. Für 50 bis 70 Euro pro Hektar.

Denn nur eine Hagelversicherung, das reicht nicht mehr. Die Schadenmeldungen, was Hagel angeht, sind zwar groß, aber Mehrgefahren-Schadenmeldungen werden jedes Jahr größer. Für Georg Mayerhofer hat sich die Versicherung schon ausgezahlt. Letztes Jahr im August wütete Sturm „Kolle“ in Niederbayern und traf auch seine Maisfelder. Wie das aussah, zeigen Fotos aus der Region. Der Mais knickte um und war damit wertlos. Auf einigen Feldern lag der Schaden bei 50%. Mayerhofer bekam mehrere Zehntausend Euro ersetzt. Die Versicherungssumme pro Hektar legen die Landwirte übrigens selbst fest. Unabhängig davon, wie viel auf dem Acker tatsächlich wächst. Je höher die Versicherungssumme, desto teurer die Beiträge. Jetzt im Frühsommer fürchtet Georg Mayerhofer v.a. Starkregen. Die Versicherung deckt aber nur den Schaden an den Feldfrüchten ab, wird wertvoller Humus weggeschwemmt, ist das sein Problem. Der Landwirt setzt deshalb auf Mulchsaat. Letztes Jahr nach der Ernte hat er hier Senf als Zwischenfrucht gesät. Der ist über den Winter abgefroren und dient jetzt als Erosionsschutz. Der erste Effekt ist dieser Splash-Effekt: Der Regentropfen wird abgebremst durch das organische Material. Und wenn das Ganze zu fließen beginnt, wird das durch die raue Oberfläche abgebremst, und das Erdreich bleibt am Acker.

Als Risikovorsorge zählt für Georg Mayerhofer beides: Ein möglichst schonender Ackerbau und eine Versicherung gegen Unwetter. Bei der „Vereinigten Hagel“ ist mittlerweile jedes fünfte Feld, das gegen Hagel versichert ist, auch gegen weitere Naturgefahren abgesichert. Insgesamt 112.000 Hektar in Bayern. Die Nachfrage ist stark gestiegen. Die letzten Jahre zeigen aber auch: Zusammengerechnet bleiben die Schäden durch Hagel, Sturm, Starkregen, Frost und Überschwemmung auf ähnlichem Niveau. Aber Dürre-Schäden sind oft um ein Vielfaches höher. Doch ausgerechnet Trockenschäden sind bei den klassischen Versicherungen nicht mit drin.

Dabei ist Trockenheit für viele Bauern ein Problem. Z.B. für Philipp Westphal in Mittelfranken. Gerade in diesem Jahr. Das Frühjahr war extrem trocken. Schlecht für den Winterweizen. Wir können jetzt mal eine Pflanze aufmachen, dann sieht man die Ähre, die bereits ausgebildet ist. Und man sieht heuer ganz deutlich, wo sonst 12-14 Körner sitzen, haben wir heuer nur 8-10. Dass Bauern ihre Ernte mittlerweile aber auch gegen Trockenschäden absichern können, das wusste Westphal lange nicht. Ich muss gestehen, ich war schlecht informiert. Man hat wenig darüber gehört, dass es so eine Versicherung gibt. Aber als ich das in Erfahrung gebracht hab, war für mich klar, dass ich das abschließe. Bei ihm kostet die Zusatz-Versicherung rund zwei Euro pro Hektar. In noch trockeneren Regionen können es aber auch 20 Euro, 30 oder noch mehr sein. Und: Es gibt sie nur in Kombination mit einer Hagelversicherung. Die Versicherungskammer Bayern war das erste Unternehmen, das diese Versicherung gegen Trockenheit angeboten hat. Als sogenannte Index-Versicherung. Das heißt: Entscheidend ist nicht der tatsächliche Schaden auf dem eigenen Feld, entscheidend sind die Daten der nächstgelegenen Wetterstation.

Da kann es zu kuriosen Situationen kommen: Die Wetterstation meldet Trockenheit, auf dem Acker hat es aber doch genug geregnet. Oder umgekehrt: Der Bauer hat einen Trockenschaden, die Wetterstation meldet aber ausreichend Regen, weil über ihr lokale Gewitter runtergekommen sind. Der Landwirt geht trotz Dürreschaden leer aus. Grundsätzlich gilt der kritische Niederschlagswert: Bei Winterweizen sind es 122 Liter Regen pro Quadratmeter zwischen März und Juni. Egal, ob der Regen an zwei Tagen im Mai runterrauscht oder gleichmäßig verteilt über vier Monate. Dieses Prinzip ist bei allen Versicherern ähnlich. Dieter Riehl von der Sparkasse Gunzenhausen berät Landwirte im Auftrag der Versicherungskammer Bayern und versucht, das Risiko zu relativieren. Es gibt, glaub ich, 400 Wetterstationen in Bayern. Und dass genau da ein Gewitter runtergeht, und 500 m daneben hat es nicht geregnet, das dürfte eher die Ausnahme sein. Philipp Westphal braucht jedes Jahr eine gute Ernte, um seine 200 Bullen zu füttern. Er hat sich deshalb für die Dürre-Versicherung entschieden.

Dann gibt’s im Schadensfall zumindest Geld, um Futter zuzukaufen. .

Quelle Youtube